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DIE ANGST VOR DEM ISLAM IN DEUTSCHLAND

Tücher, Terror, Taliban

Moscheen und Minarette wecken bei vielen Deutschen Ängste. (Foto: Lena Juppe)

Jeder dritte Deutsche macht sich große Sorgen darum, der Islam könne sich in unserer Gesellschaft zu stark ausbreiten. Dies ergab eine Umfrage des Instituts für Wahl- und Politikforschung Infratest dimap.

Woher kommt diese Angst und wogegen richtet sie sich genau?

Omar Abo-Namous hat die Angst vor Muslimen am eigenen Körper zu spüren bekommen. Die Polizei stürmte Anfang 2008 das Ferienhaus von Abo-Namous und seiner Frau in Hamwiede, ein Dorf in der Nähe von Walsrode. Der Hinweis auf das „verdächtige Paar mit dem orientalisch aussehenden Mann“ war von den Nachbarn gekommen. Dabei hatten sich der gebürtige Palästinenser und seine Frau zu Flitterwochen in die Heide zurückgezogen.

Die Infratest dimap-Umfrage von Dezember 2009 zeigt, dass der Islam als einheitlicher, undurchsichtiger Block verstanden wird. Es wird nicht differenziert, was sich alles hinter dem mächtigen Wort Islam verbirgt. Worüber genau machen sich die Befragten also Sorgen? Dass ein autoritäres Gottesbild, Märtyrertum und der Heilige Krieg mit dem Islam in unsere Gesellschaft Einzug halten?

„Was sie genau fürchten, wissen die meisten nicht“, erklärt Peter Antes, Professor für Religionswissenschaft am Institut für Theologie und Religionswissenschaft der Leibniz Universität Hannover. „Die Medien zeigen viele Negativbeispiele, wie  Terroristen und Ehrenmorde. Aber es gibt kaum islamische Vorbilder. Es entsteht Angst mit der dann Politik gemacht wird“, so der Experte.

Aus Unwissenheit wird Angst

Omar Abo-Namous und Peter Antes sind sich einig, dass es sich bei der Angst häufig um ein Mediengespenst handelt. Omar Abo-Namous meint dazu: „Meines Erachtens sind es weitgehend rechtslastige Gruppierungen und Einzelpersonen, die in der Öffentlichkeit gegen Muslime agitieren.“

Die Infratest dimap-Umfrage ergab, dass sich zwar 36 Prozent der Deutschen Sorgen machen, dass sich der Islam in unserer Gesellschaft zu stark ausbreiten könnte. 39 Prozent hingegen machen sich diesbezüglich aber wenig Sorgen und 22 Prozent gar keine.

Der Religionswissenschaftler Peter Antes erklärt in seinem Buch „Der Islam als politischer Faktor“, dass der Islam häufig mit Unterdrückung, Missachtung der Menschenrechte und exzessivem Strafrecht gleichgesetzt würde. Terroranschläge islamischer Extremisten würden beispielsweise immer wieder als Belege für die Gefahr des Islams genannt, obwohl die meisten Muslime in Deutschland friedliebende Leute seien.

Information und Dialog

Es fehlen Informationen, die den Islam als facettenreiche Wirklichkeit vorstellen. „Diese Informationen gibt es zwar, sie kommen aber leider nicht an. Vorher passiert wieder etwas, das alles überschattet“, beklagt Antes. Um den negativen Nachrichten entgegen zu wirken und Ängste und Vorurteile aus dem Weg zu räumen, setzt Omar Abo-Namous auf den Dialog. Er betreibt ehrenamtlich das Internetportal „Islam in Hannover“ und ist Mitglied einer Gruppe, die regelmäßig Führungen durch Hannovers Moscheen anbietet.

Text: Lena Juppe