DER MODERATOR
Fernsehpastor Jan Dieckmann moderiert Tacheles. Er spricht im Interview über die Integration, bewegende Momente bei Tacheles und der Frage nach welchen Werten wir leben wollen.
Aktuelle Sendung
Wirtschaft und Werte: Kann denn Wachstum Sünde sein?
Marktkirche:
19.6.2012, 19 Uhr
Phoenix:
24.6.2012 13.00 Uhr
24.6.2012 00.00 Uhr
MIT:
> Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, Ehemals Bischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland
> Mario Ohoven,
Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft
> Jutta Sundermann,
Attac Deutschland
> Prof. Dr. Utz Claassen,
Unternehmer
WER TACHELES TRÄGT
Evangelische Kirche in Deutschland Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
Klosterkammer Hannover Evangelische Kirche im NDR
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Mitreden
Einwanderung und Arbeitsmarkt: Fremd im eigenen Land?
Tacheles im TV
tacheles im radio
Pro & Contra
Einwanderung und Arbeitsmarkt: Ein Erfolgsmodell?
Pro: "Wir sitzen alle im selben Boot" meint Bischof Frank July von der evangelischen Landeskirche in Württemberg. > mehr dazu
Contra: "Wir laden zu viele mit begrenzten Fähigkeiten ein" entgegnet Prof. Gunnar Heinsohn, Soziologe und Ökonom. > mehr dazu

Bürgerengagement

Wer liest, hat den Schlüssel zur Zukunft

Otto Stender: gordische Knoten zerschlagen

Das hannoversche Projekt Mentor - die Leselernhelfer hat bundesweit Schule gemacht. 3.000 Menschen engagieren sich ehrenamtlich als Lesepasten in 30 Städten. Der Initiator, Otto Stender, sagt: Wer liest, hat den Schlüssel zur Zukunft.

Warum ist es wichtig, lesen zu lernen?

Stender: Das ist die Grundkompetenz schlechthin. Ohne Leseverständnis, ohne Wortschatz kann nichts anderes gelernt werden. Da kann man nicht mal die Anleitung für den Computer verstehen. Viele Kinder und Jugendliche lesen heute nicht mehr. Ich habe mir die Pisa-Studie und die Shell-Studie angeguckt, und mir war klar: Wer nicht liest, hat keine Chance in der Gesellschaft. Ich habe auch gemerkt, wie sich im Bildungsbürgertum eine Fassungslosigkeit darüber ausgebreitet hat. Viele sagten, sie wollten helfen.
 
Wenn Sie bei Kindern aus Einwandererfamilien die Lust am Lesen und Bildungshunger allgemein wecken wollen – unterstützen das die Familien oder stoßen Sie auch auf Widerstände?

Stender:  Das kommt sehr selten vor. Eltern wissen, dass das Kind keine Chance hat, wenn es in der Schule nicht mitkommt. Viele Migranteneltern streben natürlich an, dass ihr Kind das Gymnasium besucht. Aber vielen fehlen die Voraussetzungen dafür, wenn sie nicht wirklich lesen können. Da sitzen sie übrigens im selben Boot wie die Kinder des so genannten deutschen Prekariats. Uns werden über die Schulen Kinder empfohlen, deren Familien kein Geld für Nachhilfe haben. Das Kind wird gefördert und der Ehrenamtliche findet Erfüllung.

Integration ist schwierig, sagen viele. Und Bildung ist ein langwieriger Prozess. Sehen Sie ganz konkret, was Ihre Arbeit bewirkt?

Stender: Es ist ja viel von den kleinen türkischen Machos die Rede, die als kleine Prinzen aufwachsen. Es ändert sich alsbald ihr soziales Verhalten, wenn sie merken, ich bin ja gar nicht dumm. Wenn sich so ein Junge zum ersten Mal im Unterricht meldet, wird ein gordischer Knoten durchschlagen. Dann kann eine Erfolgsgeschichte beginnen. 

Sie haben damit eine unglaublich erfolgreiche private Initative angestoßen. Ärgert Sie, dass die Schule oder die Politik das nicht schon leistet?

Stender: Das ist ein weites Feld. Die Bildungspolitik in diesem Land versagt seit 30 Jahren - insbesondere bei der Integration von Menschen, die als Gastarbeiter gekommen, aber geblieben sind.

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