DER MODERATOR
Fernsehpastor Jan Dieckmann moderiert Tacheles. Er spricht im Interview über die Integration, bewegende Momente bei Tacheles und der Frage nach welchen Werten wir leben wollen.
Aktuelle Sendung
Wirtschaft und Werte: Kann denn Wachstum Sünde sein?
Marktkirche:
19.6.2012, 19 Uhr
Phoenix:
24.6.2012 13.00 Uhr
24.6.2012 00.00 Uhr
MIT:
> Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, Ehemals Bischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland
> Mario Ohoven,
Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft
> Jutta Sundermann,
Attac Deutschland
> Prof. Dr. Utz Claassen,
Unternehmer
WER TACHELES TRÄGT
Evangelische Kirche in Deutschland Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
Klosterkammer Hannover Evangelische Kirche im NDR
Medienpartner
Mitreden
Die neue Welt des Internets: Ist nichts Privates mehr heilig?
Tacheles im TV
Tacheles im Radio
Pro & Contra
Ist Privates noch heilig?
"Intimität ist ein wichtiger Teil des Menschseins", meint die bayerische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler. > mehr dazu
"Privatsphäre war gestern", entgegnet die Netzaktivistin Julia Schramm. > mehr dazu

Das Internet vergisst nichts

Trauer, Tod und digitaler Trost

Wolfgang Paumen errichtete eine Gedenkseite für seinen Sohn

Wolfgang Paumen war auf einem Segeltörn, als er die unfassbare Nachricht erhielt. Sein Sohn Oliver war mit dem Motorrad tödlich verunglückt. „Niemand bereitet einen auf so etwas vor“, sagt Wolfgang Paumen. Um zu trauern und die Erinnerung wach zu halten, richtete er eine Gedenkseite im Internet ein, mit Fotos, Videos und Texten. „Das Internet vergisst nichts“, sagt der Finanzbeamte, „und mir war es wichtig, mich mit anderen auszutauschen“.

Herr Paumen, ihr Sohn Oliver ist vor rund zwölf Jahren verunglückt. Sie haben damals eine Erinnerungsseite an ihren Sohn im Internet eingerichtet. Was war Ihnen daran wichtig, so um ihn zu trauern?

Wolfgang Paumen: Zu dem damaligen Zeitpunkt gab es Facebook nicht, das Internet stand am Anfang und ich hatte mich damals mit der Technik, bevor mein Sohn verunglückte, vertraut gemacht. Ich habe erlebt, wie intensiv Oliver damals schon das Internet genutzt hat. Da lag es für mich nahe, dieses Medium zu nutzen, um die Trauer zu verarbeiten und um ihm einen unvergesslichen Platz zu geben, denn das Internet vergisst nichts. Das war die Intention, die im Vordergrund stand. Mir war natürlich klar, dass ich dann viel über mich preisgebe, aber es war die Möglichkeit, weltweit in Kontakt mit Leuten zu treten.

Mehr als 50.000 Menschen haben die Seite bislang besucht. Hatten Sie das Bedürfnis die Menschen, die sich vielfach in ihrem Gästebuch eingetragen haben, persönlich kennenzulernen?

Paumen: Nein, das hatte ich nicht. Im Gegenteil. Ich war ja nicht anonym, ich war namentlich und mit der Adresse jederzeit kontaktierbar. Die Trauer zu verarbeiten war aber für mich - und das ist ja individuell, wie jeder damit umgeht - Texte zu kreieren, diese beispielweise auf die Website zu stellen und die Reflexionen derjenigen zu lesen, die davon betroffen sind. Es haben mir im Wesentlichen betroffene Leute per Email geschrieben.

Es ist ein ganzes Netzwerk dadurch entstanden, mit anderen Eltern, die ähnlich betroffen sind. Werden die Trauerarbeit und das Vergessen nicht dadurch erschwert, dass die Erinnerungen an ihren Sohn immer nur einen Klick entfernt sind? Halten Sie den Schmerz nicht immer hoch?

Paumen: Das würde ich anders sehen. Der Schmerz hat mich auf die Seite gebracht, nicht die Seite hat mir den Schmerz gebracht. Ich habe immer das Bedürfnis gehabt, bestimmt zwei Jahre lang, ganz intensiv daran zu arbeiten und mich mit dem Tod und alles war darum herum rankt, auseinander zu setzen. Ich war damals 49 Jahre alt und man lernt so etwas nicht. Niemand bereitet einen auf so etwas vor, dann steht man da und muss sich damit auseinandersetzten. Dass ich das heute so abschließen kann, wie ich im Moment dastehe, führe ich darauf zurück, dass ich mich damit so intensiv beschäftigte. Mir war es wichtig, dass ich mich mit anderen Leuten austauschen konnte, aber die persönliche Begegnung stand bei mir nicht im Vordergrund.

Dokumentation: Julia Pavel

Trauer um den Sohn im Internet – ein betroffener Vater berichtet Als sein Sohn Oliver im September 1999 bei einem Motorradunfall starb, gab es noch keine sozialen Netzwerke. Wolfgang Paumen aber wollte das Internet nutzen, um zu trauern und um sich mit anderen betroffenen Eltern auszutauschen. Noch immer gibt es im Internet die Gedenkseite für Oliver.