DER MODERATOR
Fernsehpastor Jan Dieckmann moderiert Tacheles. Er spricht im Interview über die Integration, bewegende Momente bei Tacheles und der Frage nach welchen Werten wir leben wollen.
Aktuelle Sendung
Wirtschaft und Werte: Kann denn Wachstum Sünde sein?
Marktkirche:
19.6.2012, 19 Uhr
Phoenix:
24.6.2012 13.00 Uhr
24.6.2012 00.00 Uhr
MIT:
> Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, Ehemals Bischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland
> Mario Ohoven,
Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft
> Jutta Sundermann,
Attac Deutschland
> Prof. Dr. Utz Claassen,
Unternehmer
WER TACHELES TRÄGT
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Mitreden
Die neue Welt des Internets: Ist nichts Privates mehr heilig?
Tacheles im TV
Tacheles im Radio
Pro & Contra
Ist Privates noch heilig?
"Intimität ist ein wichtiger Teil des Menschseins", meint die bayerische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler. > mehr dazu
"Privatsphäre war gestern", entgegnet die Netzaktivistin Julia Schramm. > mehr dazu

Contra

Bloggerin Julia Schramm: „Privatsphäre war gestern“

Spricht sich für die Freiheit im Internet aus: Bloggerin Julia Schramm.

Daten, sobald sie im Internet sind, können so gut wie nicht mehr kontrolliert werden. Das ist schon technisch gar nicht möglich. Die Leute müssen sich vor Augen führen: Wenn ich etwas bei Facebook einstelle, gehört mir das nicht mehr. Ich schreie es ja in die Welt hinaus. Damit steht fest: Privatsphäre war gestern. Dabei ist Privatsphäre eigentlich die Sphäre des Individuums, in der jede und jeder sich frei entwickeln können darf. Mit Informationen über mich hat das erstmal nichts zu tun. Und im Internet sind diese auch eigentlich nicht kontrollierbar.

Daher werden häufig die Rufe nach mehr Datenschutz laut. Das halte ich für Unsinn. Das Datenschutzgesetz ist aus den 70er und 80er Jahren und wurde für große Rechenzentren gebaut. Heute ist aber jeder Computerbesitzer quasi so ein Rechenzentrum. Wir brauchen deshalb dringend eine Reform. Die klassischen Vorstellungen von Datenschutz sind nicht mehr umsetzbar. Außerdem ist das Problem in sozialen Netzwerken ja nicht, dass unsere Daten frei abrufbar sind, sondern, dass wir Repressionen fürchten. Wenn etwa rauskommt, dass ich homosexuell bin, muss ich immer noch Nachteile in Gesellschaft und Job fürchten. Das ist falsch. Jeder muss sich frei entfalten dürfen. Unabhängig von seinen Daten. Eine Mentalität des Versteckens finde ich gefährlich.

Für mich persönlich ist das Web 2.0 eine tolle Sache: Twitter, Facebook, mein Blog. Das sind wunderbare Entwicklungen. Wir haben doch gerade in der arabischen Welt gesehen, welche Chancen soziale Netzwerke bieten. Für Vernetzung, für Gemeinschaftsbildung. Am liebsten nutze ich Twitter. Da habe ich Freunde gefunden, die ich noch nie gesehen habe. Ich habe ein Praktikum bekommen und eine Bekannte von mir tatsächlich einen Job.

Ich bin für die radikale Präsenz im Internet, vor allem der Politiker, der Unternehmen, der Wirtschaftsbosse. Denn eine bessere Kontrolle der Mächtigen kann es nicht geben. Doch dazu gehört ein absolut freies Internet. Das ist mein Traum.

Julia Schramm ist Bloggerin und Netzaktivistin.