DER MODERATOR
Fernsehpastor Jan Dieckmann moderiert Tacheles. Er spricht im Interview über die Integration, bewegende Momente bei Tacheles und der Frage nach welchen Werten wir leben wollen.
Aktuelle Sendung
Wirtschaft und Werte: Kann denn Wachstum Sünde sein?
Marktkirche:
19.6.2012, 19 Uhr
Phoenix:
24.6.2012 13.00 Uhr
24.6.2012 00.00 Uhr
MIT:
> Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, Ehemals Bischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland
> Mario Ohoven,
Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft
> Jutta Sundermann,
Attac Deutschland
> Prof. Dr. Utz Claassen,
Unternehmer
WER TACHELES TRÄGT
Evangelische Kirche in Deutschland Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
Klosterkammer Hannover Evangelische Kirche im NDR
Medienpartner
Mitreden
Gentest am Embryo: Wird der Mensch zum Schöpfer?
Tacheles im TV
Tacheles im Radio
Pro & Contra
Gentest am Embryo verbieten?
„Es gibt keinen Anspruch auf eine gesundes Kind“ meint der kurhessische Bischof Martin Hein. > mehr dazu
„Warum sollten wir den Menschen diese Chance nehmen?“ entgegnet der Reproduktionsmediziner Matthias Bloechle. > mehr dazu

Für ein Verbot

Bischof Martin Hein: „Es gibt keinen Anspruch auf eine gesundes Kind“

Bischof Hein: Der Mensch als Gottes Schöpfung.

Ich trete dafür ein, die Präimplantationsdiagnostik in Deutschland auch weiterhin nicht zu erlauben. Als Seelsorger verstehe ich die schwierige Situation vieler Eltern, wenn sie keine Kinder bekommen können, wenn sie Fehlgeburten erleben müssen, wenn sie befürchten, ihr Kind könnte behindert sein. Aber: Sobald wir anfangen, auszusortieren – und darauf laufen die umstrittenen Gentests an Embryonen hinaus –, frage ich: Wer bestimmt denn den Grad der Behinderung, der als lebenswert gilt und der als nicht mehr lebenswert gilt? Ich befürchte, dass von Mal zu Mal die Grenzen stärker gelockert werden.

Mir geht es bei dieser Frage um die Auswirkungen für unsere Gesellschaft: Wie gehen wir in Zukunft mit menschlicher Behinderung um? Die meisten Behinderungen von Menschen sind nicht genetisch bedingt. Behinderungen entstehen im Laufe eines Lebens. Und deswegen glaube ich, ist es falsch, sich ein gesundes Leben allein durch die Diagnostik vor der Geburt sichern zu wollen. Behinderung gehört, ob wir wollen oder nicht, zu unserem Leben und damit zu unserer Gesellschaft.

Die Eltern behinderter Kinder erleben den Wandel des gesellschaftlichen Klimas schon jetzt. Diese Frauen und Männer, die nicht alle Möglichkeiten der Diagnostik ausgeschöpft und nicht abgetrieben haben, geraten unter Rechtfertigungsdruck. Ihnen wird gesagt: „Ein behindertes Kind, das muss doch nicht mehr sein.“

Gibt es einen Anspruch auf ein eigenes Kind? Meines Erachtens nicht. Und ebenso wenig gibt es einen Anspruch auf ein Kind, das gesund ist. Im Blick auf das Leben kann ich überhaupt keine Ansprüche haben. Denn innerhalb dieser Welt, „jenseits von Eden“, muss ich mit Be-grenzungen mancherlei Art umgehen lernen. Wir sind Menschen, wir haben unser Leben selbst auch nicht gewollt. Es ist uns, religiös gesprochen, geschenkt worden. Wir sind Gottes Schöpfung. Es steht uns deshalb nicht zu, über anderes menschliches Leben zu entscheiden.