DER MODERATOR
Fernsehpastor Jan Dieckmann moderiert Tacheles. Er spricht im Interview über die Integration, bewegende Momente bei Tacheles und der Frage nach welchen Werten wir leben wollen.
Aktuelle Sendung
Schwere Entscheidung Organspende: Unversehrt sterben oder das Herz verschenken?
Marktkirche:
14.2.2012, 19 Uhr
Phoenix:
26.2.2012 13 und 00.15 Uhr
MIT:
> Landesbischof Friedrich Weber, Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig
> Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer
> Dr. Paolo Bavastro,
Arzt und Organspendekritiker
> Renate Greinert,
Initiative Kritische Aufklärung über Organtransplantation
WER TACHELES TRÄGT
Evangelische Kirche in Deutschland Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
Klosterkammer Hannover Evangelische Kirche im NDR
Medienpartner
Mitreden
Schwere Entscheidung Organspende: Unversehrt sterben oder das Herz verschenken?
Tacheles im TV
tacheles im radio
Pro & Contra
Ist Organspende gelebte Nächstenliebe?
"Organspende ist ein großes Geschenk", meint der evangelische Landesbischof Friedrich Weber. > mehr dazu
"Der Mensch hat das Recht auf einen menschenwürdigen Tod", entgegnet Renate Greinert von der Initiative Kritische Aufklärung Organspende (KAO). > mehr dazu
 


Organspende

Schwere Entscheidung: Unversehrt
sterben oder das Herz verschenken?

In Deutschland warten 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Täglich sterben drei Menschen, weil sie vergeblich gewartet haben. Jetzt befasst sich die Politik mit der Organspende. Am Ende könnte der Bundestag entscheiden, dass jeder Bürger und jede Bürgerin angeben soll, ob er oder sie Organe spenden möchte. Tacheles fragt: Ist eine Organspende gelebte Nächstenliebe? Oder ist die Prozedur der Organspende, wie Kritiker meinen, für die Angehörigen unzumutbar? Ist es richtig, einem sterbenden Menschen, dessen Herz noch schlägt, Organe zu entnehmen, damit andere Menschen leben können? Oder hat jeder Mensch das Recht auf einen unversehrten Tod?

 

Organspende aus Nächstenliebe

Bischof Weber: „Organspende ist eine segenreiche Sache“

Niemand habe einen Anspruch auf ein Spenderorgan, meint Bischof Weber.

Der evangelische Landesbischof Prof. Dr. Friedrich Weber wirbt für die Organspende. Sie könne ein Zeichen der Nächstenliebe sein. Allerdings habe niemand Anspruch auf ein Spenderorgan. Das Thema sei schwierig: „Wenn wir von Organspendern und -empfängern sprechen, dann bewegen wir uns auf der Grenze zwischen Leben und Tod.“ Der Braunschweiger Landesbischof vertraut dabei auf Gott: „Schließlich ist Gott es auch, der uns stark macht und den Mut schenkt, Ja zu sagen. Ja, Organspende ist eine segenreiche Sache.“

 

Politik auf dem richtigen Weg

Frank Ulrich Montgomery: Organspende ist Lebensspende

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, will die Zahl der Organspenden erhöhen.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, begrüßt die Ankündigung der Fraktionsspitzen des Bundestages, eine Erklärung zur Organ- und Gewebespende regelmäßig nachzufragen. Um die Zahl der Organspenden zu erhöhen, müsse man auf Information und Aufklärung setzten. „Wir müssen die Bevölkerung über die Möglichkeiten der Organspende informieren, um die Menschen davon zu überzeugen, dass sie, wenn das Leben zu Ende ist, anderen mit einer Organspende zum Leben verhelfen können", sagt Montgomery. Eine Widerspruchslösung, nach der jeder Mensch Organspender ist, wenn er dem nicht eindeutig widerspricht, lehnt er hingegen ab.

 

Organspende als traumatisches Erlebnis

Renate Greinert: „Ein Mensch braucht sein Sterben“

Spricht sich gegen Organspende aus: Renate Greinert.

Renate Greinert stand unter Schock, als sie vom Unfall ihres Sohnes Christian erfuhr. Die Ärzte erklären den Jungen für tot, sprechen vom Hirntod. Das heißt, dass das Herz noch schlägt. Und das ist die Bedingung dafür, die Organe des Sterbenden entnehmen zu können. Renate Greinert und ihr Mann willigen in die Organentnahme ein. Eine Entscheidung, die ihr Leben verändern sollte. Das ist jetzt über 25 Jahre her. Renate Greinert kämpft seitdem gegen Organspende: „Ein Mensch braucht sein Sterben wie ein Schiff eine Schleuse, wenn es denn gefahrlos in andere Gewässer hinüber gleiten will“, sagt sie. In ihrem Buch „Unversehrt sterben“ berichtete sie von ihrem Kampf gegen die Organspende. „Mein Sohn war ein Mensch, ein Individuum, keine Sache und erst recht kein Recyclinggut“, sagt sie.

 

Wann ist ein Mensch wirklich tot?

Paolo Bavastro: „Organspende ist Tötung“

Der Mediziner Paolo Bavastro glaubt nicht an den Hirntod.

Der Arzt Paolo Bavastro kritisiert Organspende: Durch die medizinisch hoch umstrittene Definition des Hirntods würden Sterbende zu Toten erklärt. „Diese Definition muss dringend überholt werden“, sagt er. Deshalb nennt der Arzt aus Stuttgart Organspende „Tötung“. Ihn stört die Diskussion über die „armen Empfänger“ von Organen, „diese Menschen sterben nicht am Organmangel, sondern an einer schweren Krankheit“. Bavastro spricht sich für die Zustimmung zur Organspende in möglichst engen Grenzen aus. Nur demjenigen, der selbst und nach umfangreicher Aufklärung eingewilligt hat, sollen Organe entnommen werden.

 

Leben mit fremden Organen

Marc Bargmann: „Es ist ein geschenktes Leben“

Marc Bargmann bekam ein neues Herz und eine neue Lunge transplantiert.

Marc Bargmann litt an einem angeborenen Herzfehler. Nach einer langen Leidensgeschichte war klar: Der Familiemvater brauchte ein neues Herz und eine neue Lunge.  „Das ist ein geschenktes Leben“, sagt er heute. In Gedanken ist er regelmäßig bei dem Spender, der es ihm ermöglicht hat, seine beiden Kinder aufwachsen zu sehen. Marc Bargmann ist überzeugt: „Dem lieben Gott ist es egal, ob wir mit unseren Organen im Himmel ankommen.“ Was zählt sei die Seele und die könne man nicht transplantieren.

 

Tacheles-Kolumnen Pro und Contra

Ist Organspende gelebte Nächstenliebe?

 

Pro

Bischof Weber: Organspende ist ein großes Geschenk

Hat sich für einen Organspendeausweis entschieden: Bischof Friedrich Weber.

Ein Leben zu retten, ist wunderschön. Aber der Schritt hin zu einem Organspendeausweis ist nicht einfach. Manche kritisieren, die Organtransplantation mache den Sterbeprozess würdelos. Deswegen müssen Fragen gestellt werden: Wie wird mit den Spendern umgegangen, die in einer unumkehrbaren Situation zwischen Leben und Tod sind? Wie würdevoll ist das Sterben, wenn Menschen nach der Feststellung des Hirntods, aber bei schlagendem Herzen, Organe entnommen werden? Ja, es wird in den Sterbeprozess eingegriffen. Aber dieser Sterbeprozess ist nicht mehr aufzuhalten. Der betreffende Mensch wird nur noch durch Medizintechnik am Leben gehalten. Entscheidend ist der Umgang mit den Angehörigen. Sie müssen die Gelegenheit bekommen, Abschied zu nehmen. Dieser Punkt ist für mich ganz zentral.

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Contra

Renate Greinert: Das Recht auf einen menschenwürdigen Tod

Renate Greinert bereut es, ihren Sohn zur Organspende freigegeben zu haben.

Am 4. Februar 1985 verunglückte mein Sohn Christian so schwer, dass er schon an der Unfallstelle versuchte zu sterben. Er wurde wiederbelebt und in die nächstgelegene Universitätsklinik geflogen. Schon auf dem Hubschrauberlandeplatz warfen die späteren Explantationsmediziner einen ersten Blick auf ihn. Christians Verletzungen wurden genau diagnostiziert, wir dachten, alle Untersuchungen gelten ihm, uns war nicht bewusst, dass man seine Daten für die potentiellen Organempfänger brauchte. Man tat alles, um sein Leben zu erhalten, weil sich  nur warme, durchblutete Organe zur Transplantation eignen.

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Bundestag berät über Transplantationen

Ärztekammerpräsident Montgomery: Organspende ist Lebensspende

Setzt sich für mehr Organspenden ein: Bundesärztekammerpräsident Dr. Frank Ulrich Montgomery.

Während in Deutschland rund 12.000 Menschen auf ein lebensrettendes Organ warten, geht die Zahl der Organspender zurück. Bald berät der Bundestag darüber, wie künftig mehr Bürger angefragt werden können, ob sie zu einer Organspende bereit wären. „Organspende ist Lebensspende“, sagt Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer. Es sei jedem zuzumuten, sich zu entscheiden – und diese Entscheidung sollte künftig auf der elektronischen Gesundheitskarte vermerkt werden. Montgomery hält auch für sinnvoll, Fahranfängern mit ihrem ersten Führerschein einen Spenderausweis auszuhändigen. Ziel müsse sein, die Zahl der Organspenden deutlich zu erhöhen. Ärztekammerpräsident Montgomery ist Gast der nächsten Tacheles-Sendung zum Thema Organspende am 14. Februar.